Donnerstag, 27. Juli 2017

[Rezension] Laura McVeigh - Als die Träume in den Himmel stiegen

Verlag: Fischer
Reihe: /
Seiten: 352
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Inhalt

»Es gibt Reisen, die wir niemals unternehmen wollten. Und dennoch treten wir sie an, weil es der einzige Weg ist, um zu überleben. Dies ist meine Reise.«

Samar muss mit ihrer Familie aus dem gelben Haus mit dem Mandelbaum in Kabul flüchten. Mit ihren Eltern und Geschwistern kommt sie in ein Dorf im Hindukusch. Doch auch dort bricht der Schrecken ein, der für Samar jetzt plötzlich ein Gesicht bekommt: Die Taliban überfallen das Dorf. Samars Familie bleibt nur ein Ausweg: über die Grenzen hinaus zu fliehen, das Land zu verlassen. Wird Samar jemals in der Freiheit ankommen?



Meine Meinung

Allgemein

Emotional bewegend und nachdenklich stimmend.
Dieses Buch hat mich auf viele Arten tief berührt. War ich am Anfang noch unsicher, was ich von der Geschichte halten soll, da einfach sehr viel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gesprungen wurde und ich das definitiv nicht erwartet hätte, so war ich am Ende unsicher, warum meine Gefühle so wirr sind.
Seite um Seite hatte dieses Buch Wendungen, Botschaften und bittere Realität zu bieten. Immer ein wenig mehr.
In der Geschichte wird ein schon lange aktueller Aspekt besprochen: Die Flucht aus dem Krieg. Dieses Buch verbindet hierbei verschiedene Szenarien, die passieren können. Vermutlich nicht alle einer Person, aber trotzdem erlebt man sie auf einer kurzweiligen, aber erschütternder Ebene.
In der Mitte des Buches befand sich bereits der Höhepunkt, welcher die ganze Situation noch einmal um 180 Grad wendet. Ab dort gibt es nichts mehr, was diese Situation überbieten könnte, doch ab diesem Punkt war ich so im Trance von den Geschehnissen, dass ich wie durch einen Nebel das Buch weiterlesen musste. Dieser Effekt könnte vielleicht verloren gehen, wenn man danach pausiert.
Die Geschehnisse wecken einen auf, aus der heilen Welt in der wir wohnen. Es erläutert unleugbare Realitäten. Auch wenn ich persönlich vieles schon wusste, so fand die Geschichte anklang und bewegte etwas in mir und meinen Gedanken. Für Leute, die sich intensiv mit dem Thema Flucht beschäftigen, ist es wahrscheinlich nicht ganz so emotional, da doch vieles sachlich bleibt.
Das Ende lässt viele Fragen offen und endet an einem Wendepunkt in dem Leben der Protagonistin. Natürlich wünsche ich mir Antworten auf zahlreiche zurückgebliebene Fragen, doch spiegelt das Ende die Realität wieder: Viele Menschen bekommen diese Antworten in ihrem eigenen Leben selbst nicht.

Charaktere

Obwohl die Charaktere recht oberflächlich bleiben, wirken sie ausgefeilt. Jeder bekommt eine eigene Geschichte, durch die man sich erinnern kann. Jeder entwickelt sich. Und doch bleiben sie alle eine Person unter vielen. Es wirkt, als wären sie für sich untereinander einzigartig.
Es wird deutlich, dass jeder Mensch ein Geheimnis in sich trägt. Dieser trägt er sein ganzes Leben lang mit sich. Wie so schön Stephen King bereits schrieb: "Der Acker eines Mannes ist steiniger."

Schreibstil & Sichtweise

Zuerst war der Schreibstil gewöhnungsbedürftig. Er bleibt recht sachlich und oberflächlich. Doch genau diese Kürze und Neutralität lässt die Szenen realer und eindrucksvoller werden. Liebe zum Detail ist hier definitiv fehl am Platz. Wenn ein Detail wichtig ist, so sticht dieses durch die Einzigartigkeit doppelt hervor.
Besondere Wörter der Kultur (Baba, Patu, ...) erschaffen eine zusätzliche Atmosphäre
Geschrieben ist das Buch aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Samar.

Cover & Titel

Ein Mädchen, welches durch eine karge Landschaft läuft. Durch den Blick nach hinten wirkt dieses, als würde es sich gehetzt umblicken und fliehen, was passend zum Inhalt wäre. Doch leider macht das Bändchen in ihrer Hand diesen Eindruck kaputt. Es wirkt mehr, als würde sie tanzen. Gepaart mit Titel wirkt das Cover eher heiter, trotz kargem Hintergrund und schwarzer Schattierung der Coverperson.
Auch mit dem Titel kann ich mich nicht so sehr anfreunden. Manche lassen Träume in den Himmel steigen als positives Zeichen, hier ist es wohl eher in dem Sinne des Verlustes. Für mich wirkt alles zu heiter, im Gegensatz zum Inhalt.

Zitat

" >Ich wollte nur vergessen.< 
<Das will ich auch.> 
Fürs Vergessen ist es zu spät." 
- Seite 298

Fazit

Ein sehr emotionales Buch, welches einem zum nachdenken anregt und zusätzlich über die Welt der Flüchtlinge aufklärt. Ungeahnte Wendungen und eine bittere Realität. 


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