Dienstag, 4. Oktober 2016

[Rezension] Jennifer Alice Jager - Secret Woods, Das Reh der Baronesse

Verlag: Carlsen Impress
Reihe: Secret Woods, Band 1 von 2
Seiten: 300
Kauf: Kindle

Inhalt 

Anstatt den Zwängen des Königshofs zu unterliegen, trainiert Nala lieber das Bogenschießen und gerät in Raufereien mit ihrem Bruder Dale. Aber als ihr Vater, der Baron von Dornwell, eine neue Frau auf das Anwesen bringt, sieht sie ihr Glück schwinden. Die Komtesse ist hochnäsig und böswillig, dennoch ist Nalas Vater ihr vollkommen verfallen. Als Nala schließlich das dunkle Geheimnis der Komtesse aufdeckt, ist es bereits zu spät. Sie setzt alles daran, ihre Familie vor der bösen Stiefmutter zu retten. Doch schon bald steht nicht nur das Leben ihres Bruders auf dem Spiel. Auch ihr eigenes Herz ist in Gefahr – und das des fremden Jägers mit dem verschmitzten Lächeln und den blaugrauen Augen…


Meine Meinung

Allgemein

Mir fehlen die Worte für diesen Autorin. Hatte ich bei ihrer ersten Adaption "Sinabell" noch einige Kritikpunkte, so verflüchtigen sich diese immer mehr von Adaption zu Adaption. Ich liebe die Bücher dieser Autorin und sehne schon ihr nächstes herbei.
Das Buch geht locker, lustig und heiter los. Man lernt "Brüderchen und Schwesterchen" kennen und merkt sofort, wie normal beide sind. Zuerst dachte ich, dass beide nur normale Bauernkinder sind. Das Verhalten beschrieb dies. Doch nach einer Weile merkt man, dass beide von etwas höherem Stand sind, was beide noch einmal sympathischer machte.
Doch schon zieht die erste düstere Wolke auf und die "Böse" der Geschichte tritt in die Geschichte ein. Ein ganz großer Faktor für mich, denn mit ihrem Auftreten werden auch die ersten Spannungsbögen eingeflochten. Dieses Buch hat mich so viele Nerven gekostet, da ich immer wieder dachte, dass es doch schlimmer nicht mehr werden konnte und doch: Es war möglich. Ich habe so intensiv mitgefiebert und eine Seite nach der nächsten umgeblättert.
Am Anfang konnte man noch denken, dass eher das Märchen "Aschenputtel" adaptiert wird, doch mit der Zeit filtert sich das Märchen von "Brüderchen und Schwesterchen" gut heraus. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich gar nicht mehr gut daran erinnern konnte, doch eine kurze Zusammenfassung später hatte ich sie wieder im Kopf und mir war relativ klar, an welcher Stelle Band 1 den Cut macht.
In diesem Band geht es mehr um den Versuch die mächtige Hexe mittellos zu bekämpfen, doch der Wille bleibt. Die Flucht und das vermeintliche Abenteuer bringen einen dann zurück in das Märchen. Ich habe mitgefühlt und mitgelitten und war immer auf der Hut.
Trotz der vielen spannenden Momente, die das ganze Buch durchzogen, schaffte die Autorin nochmal ein noch spannenderes Ende und einen kleinen Cliffhanger, der mich sofort zum zweiten Band greifen lies.

Charaktere

In erster Linie geht es um Brüderchen "Dale" und Schwesterchen "Nala". Sie beide gehen ihre eigenen Wege und trotzdem ist Dale immer für Nala da. Das Gefühl der Geschwisterliebe kam bei mir perfekt an. Es war nicht zu viel und auch nicht zu wenig Liebe, die er ihr schenkte.
Dale ist der ausgeglichene der Beiden. Er versteht sich aufs Jagen und ist bereit für sein späteres Leben als Baron. Er ist lustig, aufgeschlossen und spitzbübisch. Immer wenn er den Mund aufmachte, stahl sich mir ein Grinsen ins Gesicht.
Aber auch Nala schaffte das oft. Denn sie ist die Hitzköpfige und nimmt kein Blatt vor den Mund. Vor allem in Gegenwart des charmanten Fremden fand ich das oft sehr amüsant. Doch auch ihre Geschwisterliebe wird davon nicht überschattet und kommt deutlich zum Vorschein.
Der Fremde und Dale sind ein definitiv unschlagbares Paar. Auch er hat dieses spitzbübische und weiß genau um seine Gefühle.
Die Autorin hat wirklich wunderbare Charaktere erschaffen, denen ich jede Handlung abkaufen konnte und die in mir die unterschiedlichsten Emotionen hochkommen ließen.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil reißt einen von Anfang an mit und erweckte in mir die unterschiedlichsten Gefühle. Wut, Trauer, Freude, Humor. Es blieb nichts aus. Die Charaktere wuchsen mir ans Herz und meine Augen kamen nicht mehr von den Seiten los.
Geschrieben wurde das Buch aus der Sicht von Nala und sehr selten auch von Dale in der dritten Person.

Cover & Titel

Das Cover ist in einem satten Grün gestaltet. Grüntöne wie die Farben des Waldes. Im Vordergrund erkennt man Nala, die aus meiner Sicht perfekt getroffen wurde. Am Anfang des Buches erhält man eine kleine Beschreibung von ihr, in der gesagt wird, dass die widerspenstige, nicht allzu lange locken hat und blond ist. Außerdem wird erwähnt, dass sie nicht allzu viel auf prunkvolle Kleidung gibt. Trotzdem trägt sie ein schlichtes Kleid, da es sich für ihren Stand ziemt.
Neben ihr steht das Reh. Das Reh der Baronesse. Ganz nah an ihr dran grast es. Ganz friedlich und zutraulich, wie sonst kein normales Reh.
Auch den Titel finde ich passend gewählt. Das Reh der Baronesse ist für mich selbsterklärend, wenn man das Märchen kennt. Wenn nicht, lässt man sich überraschen. Secret Woods... Geheime Wälder. Zum einen ist es, soweit ich mitbekommen habe, nur ein Wald (Wood) und geheim ist er wohl in dem Sinne, dass Nala dort eine Menge Geheimnisse hütet. Aber ich will nicht kleinlich sein.

Zitat

"Dass so manche hohen Herren und Damen ihr Hauspersonal schlugen, war für Sedrik nichts Neues. Seine Tante als Beispiel handhabte es nicht anders und verglich diesen Umgang mit ihren Untergeben mit der Erziehung eines Hundes. Seiner Meinung nach musste nur der die Hand erheben - ganz egal, ob gegen Mensch oder Tier -, der einen so schwachen Charakter hatte, dass er sich anders nicht zu helfen wusste." 
- Position 3169

Fazit 

Ein Buch, welches ich definitiv jedem empfehlen würde. Im eigenen Stil interpretiert die Autorin das Märchen "Brüderchen und Schwesterchen" neu, ohne die wichtigsten Elemente zu verlieren und hält die Geschichte dabei so spannend, dass man einfach nicht loskommt.


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