Freitag, 7. Oktober 2016

[Rezension] Andreas Dutter - Beauty Hawk, Der Fluch der Sturmprinzessin

Verlag: Carlsen Impress
Reihe: Einzelband
Seiten: 360
Kauf: Kindle - Taschenbuch

Inhalt

Die 17-jährige Cecilia ist DER aufsteigende Stern am YouTube-Himmel der Beautychannels. Gerade hat sie die unglaubliche Zahl einer halben Million Abonnenten erreicht und wird überall gefeiert, außer in ihrer Schule, wo man sie aus Neid und Misstrauen meidet. Die Abneigung ihr gegenüber geht sogar so weit, dass Cecilia anfängt, dunkle Prophezeiungen zu erhalten. Erst vermutet sie, dass der unheimliche Neue Tristan dahintersteckt. Doch dann wird sie völlig unvorhergesehen vom Schulschwarm Knox auf ein Date eingeladen, der ihr eine Welt eröffnet, die sie alles in einem anderen Licht sehen lässt. Darunter ihre eigene Identität. Aber auch die Absichten von Tristan.


Meine Meinung

Allgemein

Ich muss zugeben, dass ich mich sehr auf dieses Buch gefreut habe. Sehr viel positives Feedback, der Klappentext klang vielversprechend und die Idee war es auch. Doch die Umsetzung überzeugte mich weniger.
Schon von Anfang an dachte ich, dass der Autor durchs Buch raste. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten und so auch der Inhalt. Ich kam gar nicht wirklich an und schon passierte etwas Neues.
Auch fühlte sich die geheimnisvolle neue Welt der Gestaltenwandler gar nicht neu für mich an, da die Protagonistin nach nur wenigen Kapitel damit konfrontiert wurde und das auch alles recht locker nahm. An dem Tag, wo sie ihre wahre Identität erkannte, schien sie sich kaum dafür interessieren. Zwei knappe Fragen und sie wollte schlafen. Wenn ich von so einer Existenz in mir erfahren würde, würde ich vermutlich die ganze Nacht vor Grübeleien kein Auge zu bekommen!
Aber dieses Hinnehmen viel mir öfter im Buch auf. Auch die beste Freundin der Protagonistin Cecilia nahm alles auf die leichte Schulter und meinte, sie habe schon immer an solche Wesen geglaubt. Aber sie hat nie zuvor eins gesehen, ist man da nicht trotzdem erst einmal schockiert, wenn man zum ersten Mal einem gegenüber steht?
Zudem fand ich die Protagonistin doch sehr sprunghaft. Mal hü, mal hott. Mal wollte sie dies, mal das. Auch ihre Existenz als YouTube Star fand ich etwas fragwürdig. In den Videos die ich schaue, redet niemand so. Nicht einmal in der Zeit von #yolo
Außerdem betont die Protagonistin sehr oft, dass sie nicht das Naivchen aus den Videos ist und durch ihre schwierige Zeit im Heim sehr abgehärtet ist. Allerdings kam dieses Gefühl bei mir als Leser nicht an.
Auch komisch fand ich, dass die Chimären, die Cecelia verfolgt haben, immer einzeln oder zu zweit da waren, denn niemand konnte etwas gegen sie ausrichten. Ich fände es logischer, wenn sie in einer Gruppe auftauchen und Cecelia entführen. Das nahm auch permanent die Spannung raus, da ich schon vorweg wusste, dass sowieso nichts passiert.
Jedes Mal, wenn die Chimären auftauchten gab es einen kleinen Kampf, indem ich nie die Spannung fand. Die Dinge geschahen urplötzlich, ohne wirklich Einstieg und plötzlich war jemand tot oder Sonstiges war passiert und ich las die Zeilen und dachte, ich hätte was verpasst. Dasselbe Gefühl hatte ich im Finale. Die Spannung konnte mich nicht packen. Bildlich konnte ich mir alles nur ganz schwer vorstellen, obwohl ich schon immer eine gute Fantasie hatte. Und es war viel zu viel Gerede, statt wirklich Taten. Irgendjemand war immer gefesselt und Cecelia schaffte mit ihren Glücksangriffen und Wutausbrüchen immer zufällig sich gegen das Böse aufzulehnen. Alles sehr unglaubwürdig für mich. Vor allem das Ende mit der "Geheimwaffe". Nebel, puff und weg? Die Lösung kam mir außerdem sehr an den Haaren herbei gezogen vor, da diese einfach in den Raum geschmissen wird alá "Wir haben zwar nicht die Zeit zu plaudern, aber ich habe da mal gehört, dass das so und so funktionieren könnte, probiers einfach mal."
Zudem fühlte sich am Ende alles so an, als wären nur wenige Tage vergangen. Vielleicht eine Woche im ganzen Buch. Doch Cecelia müsste viel länger brauchen, um ihre Kräfte zu entwickeln und im Allgemeinen glaube ich, dass der Autor einen längeren Zeitraum beabsichtigt hatte.

Charaktere

Wie schon oben erwähnt konnte ich mit den Charakteren echt wenig anfangen. Die Protagonistin konnte sich nie wirklich entscheiden und war total sprunghaft. Die mentale Stärke, die sie angeblich aus der Zeit im Heim bekommen hat, fiel mir ehrlich gesagt kaum auf. Sie ist eher die "Mit dem Kopf durch die Wand" - Person. Für mich wirkte es, als würde sie gerne ultra hipp vor ihrer YouTube Kamera wirken, sagte und postete aber nur Dinge, die mich im richtigen Leben abschrecken und ein Dislike kassieren würde. Dafür hat sie eine halbe Million Follower...
Tristan war sehr distanziert, taut jedoch extrem schnell auf. Oft habe ich gelesen, dass sein Humor viele zum Lachen gebracht hat. Ich dachte immer, dass ich eigentlich einen Männerhumor habe und trotzdem musste ich nur an zwei Stellen im Buch lachen. Nicht einmal ein Grinsen konnten mir die anderen Stellen entlocken. Außerdem war mir das ganze Buch über klar, auf welcher Seite er steht, auch wenn der Autor versuchte eine Illusion zu schaffen.
Allgemein fand ich, dass die Charaktere alles viel zu schnell hinnehmen und gar nicht natürlich wirken. Oft tun sie Sachen, die ich als Leser überhaupt nicht nachvollziehen konnte.

Schreibstil & Sichtweise

Ich empfand den ganzen Schreibstil als sehr gehetzt. Es wurde von einer Situation zur nächsten gesprungen und ich denke, dass das der Grund war, warum für mich keine Spannung aufkam. Ein Kampf folgte dem nächsten, alle vorhersehbar vom Ausgang und die Informationen werden dann hier und da reingeschmissen und angenommen.
Sehr oft benutzt der Autor auch Vergleiche (z.B.: Sie vertrieb ihn schneller als Adele Rihanna von der Chartspitze) mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte. Es war sehr unpassend.
Geschrieben wurde das Buch in der Ich-Perspektive von Cecelia und Tristan.

Cover & Titel

Das Cover zeigt Cecelia in ihrem "Granny"-Look, umgeben von Falkenfedern, die wie ein Mantel wirken. Die Idee finde ich sehr schön und durch die ein oder andere helle Stelle wirkt das Cover auch gar nicht so düster.
Den Titel hingegen finde ich etwas spoilernd. Jedenfalls ab dem Moment, indem Cecelia eine ähnliche Form für ihre Biografie benutzt und ich sofort wusste, was da noch folgen wird.

Zitat

"Sich einzureden, dass man sich getäuscht oder etwas eingebildet hatte, war in jeder Hinsicht die angenehmere Variante. Solange ich nicht negativ auffiel, war ich ein Phänomen, über das jeder den Kopf schüttelte. Eine Figur in einem Traum, in dem die Menschen meinen Anblick verarbeiteten."
- Position 1960

Fazit

Ein Buch ohne jegliche Spannung. Vieles war Vorhersehbar und oft wurden die Dinge einfach unerklärlicherweise Hingenommen ohne Nachfragen. Durch das Tempo kam ich gar nicht wirklich in die Geschichte hinein.


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