Mittwoch, 20. Juli 2016

[Rezension] Thordis Hoyos - Stonebound

Verlag: Selfpublish
Reihe: Stonebound, Band 1 von 3
Seiten: 534
Kauf: Kindle - Taschenbuch

Inhalt

Mit einem Schlag wirft ein magischer Stein Elba in eine Welt, in der sie sich zwischen Aris und Tristan entscheiden muss, sie ein altes Familiengeheimnis zu lösen hat und ihr ein lebensbedrohender Soziopath auf der Spur ist.

Es ist wie ein Blitz, der einschlägt. Seit dem Moment als die 18-jährige Elba Tristan das erste Mal sieht, fühlt sie sich magisch angezogen von ihm. Kein Wunder: Er ist aufregend impulsiv, einfach überirdisch sexy und gerade so zynisch, dass er unheimlich interessant wirkt.
Doch dann lernt Elba seinen unnahbaren und respekteinflößenden Freund Aris kennen - und zu ihrer großen Verwirrung fühlt sie sich ihm auf eine ganz besondere Art verbunden. Aber weshalb drängt Tristan seinen Freund dazu, eine Beziehung mit ihr zu beginnen, obwohl er anscheinend selbst Gefühle für sie hegt?
Und was hat es mit diesen mysteriösen Steinen auf sich, die sie in dem alten Anwesen ihrer Tante findet?
Als Elba auf ein furchteinflößendes Familiengeheimnis stößt, entspinnt sich ein Intrigenspiel um Liebe, Sex, Macht, Blutgier und das blanke Überleben. Es beginnt eine abenteuerlich gefährliche Jagd, bei der niemand dem anderen vertrauen kann und nichts ist, wie es scheint.


Meine Meinung

Allgemein

Sofort fand ich gut ins Buch hinein. Der Schreibstil war fesselnd und die Protagonistin war vom ersten Eindruck her zunächst sympathisch. Direkt spannend ging es los. Die Tante liegt im sterben, da wittert man schon die ersten Geheimnisse. Was hängt wohl damit zusammen? Doch kaum ist Protagonistin Elba mit ihren Großeltern im entlegenen Dorf angekommen, wirkt es gar nicht mehr so, als würde es mit der Tante bald zu Ende gehen. Ganz im Gegenteil. Auf mich als Leser wirkte sie quicklebendig. Die Großmutter nimmt eine geheimnisvolle Kiste mit auf die Reise, bei der ich mich am Ende, als ich den Inhalt dann kannte, noch immer frage: Warum musste diese so zwangsläufig mit? Wäre sie nicht viel besser zu Hause aufgehoben?
Fotos: © Thordis Hoyos

Ziemlich schnell überschlagen sich die Ereignisse dann. Elba sieht ihren alten Freund Christian wieder, mit dem sie auf Anhieb Späße macht und sich wohlfühlen kann, auch wenn so viele Jahre vergangen sind. Er nimmt sie mit auf eine Feier, bei der sie dann zwei mysteriösen Männern über den Weg läuft, die sie sofort magisch anziehen. Wo ich auch schon zu einem Knackpunkt in diesem Buch komme: Hier zieht jeder jeden an. Eine Verkettung von Gefühlen. Keine Dreiecksbeziehung, nein eine Mehrfach-Beziehung. Jeder hat mit irgendwem gefühlstechnisch etwas am Hut, was auch definitiv nicht zu selten erwähnt wird. Gut ein drittel des Buches wurde ständig erwähnt, wie Elba sich in der Gegenwart von Christian oder den anderen beiden Männern Tristan und Aris fühlt. Meistens ist es dann auch dasselbe, sodass mir irgendwann einfach die Betonung zu viel wurde. Ebenfalls mit Christian: Mal ist er der beste Kumpel, aber sie könnte sich da viel mehr vorstellen, wenn nicht jemand anderes ihre Gefühle erweckt hätte, aber dann ist sie sich doch unsicher und möchte zu ihm, aber eigentlich liebt sie nur den Einen. Klingt verwirrend, ist es auch.

Zudem überschlagen sich die Ereignisse deutlich. Nachdem Elba schon vom ersten Moment an sich zu Tristan und Aris hingezogen fühlt, gehen die Ereignisse durch die Decke. Sie und der Rest des Dorfes werden zu exzessiven Partys eingeladen, bei denen Elba sofort mit reingezogen wird: Wild und hemmungslos vergraben sich Tristan, Aris und ein paar Andere in den Hälsen der Gäste, denn hier geht es um Vampire: Die von der Sorte „großer Durst.“ Denn auch hier wurde übertrieben oft erwähnt, wie sie mit sexy aufreizenden Mädchen ihre Spielchen treiben und dann ihr Blut trinken. Sind die Armen nicht bald blutleer, habe ich mich da oft gefragt.
Elba wird es irgendwann zu viel. Glauben tut sie an das alles sehr schnell, schließlich bleibt ihr nichts anderes übrig, wenn sie es vor Ort erlebt. Natürlich hat sie Fragen. Eine Menge sogar und ihre Großeltern scheinen mittendrin zu hängen. Um die Geschichte ein wenig in Schwung zu bringen, wurden sofort ein paar Infos verraten, was ich gut finde, ich mag es nicht lange zu hibbeln ohne die geringste Ahnung zu haben. Doch für mich wirkte die Art und Weise wie und wann Elba etwas erzählt wurde am Anfang noch eher unglaubwürdig.

Nach gut einem Drittel bis zur Hälfte legten sich meine Kritikpunkte fast gänzlich. Das erste kleine Finale kam und ich war regelrecht gefesselt. Es floss auf jeden Fall wieder eine Menge Blut und Leben, für zarte Gemüter wohl eher weniger. Mir gefiel der Facetten-Reichtum des „Bösen“ hier sehr. Im Normalfall halten sich diese bedeckt und agieren im Hintergrund, doch hier band die Autorin ihn mitten ins Geschehen ein. Des Öfteren bekommt man von ihm zu lesen und auch Kontakt. Zwischendurch schaffte sie es sogar, auch meine Sinne zu manipulieren, sodass ich kurzweilig eine gewisse Zuneigung zu ihm hatte.
Was mir besonders gut gefiel war die Verstrickung der einzelnen Personen. Aufgrund der Vergangenheit oder dem Verhalten dachte ich öfter Mal, das jemand auf der Guten Seite steht, andere auf der Bösen und wurde dann überrascht, weil es ganz anders war, als ich bis dahin vermutet hätte. Im Endeffekt wusste ich gar nicht mehr, wem ich noch trauen kann.

Das Finale konnte mich vollends packen. Als Leser lag ich die ganze Zeit auf der Lauer, was denn passieren würde. Der Verrat lag förmlich in der Luft, trotzdem war die Handlung nicht voraussehbar. Besonders auffällig sind hierbei die Hinterlistigkeit und Stärke des Gegners, die man zu spüren bekommt.

Charaktere

Hier gab es viele Klischees. Auf der einen Seite gab es Christian, der mitfühlenden und fürsorgliche Beste-Freund-Typ. Auf der Vampir-Seite Tristan, der typische BadBoy und Frauenheld und Aris, der einerseits verschlossen und andererseits sehr mächtige dargestellt wird.
Am Meisten fand ich Gefallen an Area, da sie so zerbrechlich und stark zugleich wirkt. Sie weiß viel und doch gar nichts. Sie ist ein einziges Rätsel, welches es zu erkunden gilt. Da sie auch eine Schönheit ist, findet Elba sich bald in Eifersucht wieder. Elba kann ihre Gefühle nur selten im Griff halten. Ich empfand sie manchmal als zu impulsiv und explosiv.

Schreibstil und Sichtweise

Der Schreibstil variiert. Manchmal wurde in langen Sätzen beschrieben, die die Situation ein wenig emotional herunterfahren, manchmal in kurzen, knappen Sätzen, die die Spannung steigen lassen. Im Allgemeinen lässt die Autorin gar nicht zu, dass die Spannung verfliegt. Auf der vollen Buchlänge hatte ich kein einziges Mal das Gefühl, das eine Szene, eine Info überflüssig war. Trotzdem fühlte sich das Buch auf keinen Fall überladen an.
Geschrieben wurde der Großteil des Buches aus der Sicht von Elba in der dritten Person. Selten auch mal aus der Sichtweise von Tristan.

Cover & Titel

Das Cover ist definitiv nicht 08/15. Weder Gesichter, noch Mensch, noch Tier. Jedenfalls nicht im Vordergrund. Man sieht einen Baum, der zu Anfang eine wichtige Szene darstellt. Dieser ist tief verwurzelt. So wie die Personen im Buch auch. An diesem lehnt eine schwarz gestaltete Person. Oben auf dem Cover stehen drei Schlüsselsätze und im unteren Teil sieht man den Titel und Autorenname, umschlängelt von Blutflecken. Im Prinzip ein sehr schönes Cover, durch die hellen Farben (das Buch wirkte eher Dunkel) sticht das Buch auch schnell ins Auge. Die obrigen Sätze machen neugierig, doch schöner hätte ich es empfunden, wenn der Baum das gesamte Cover bedeckt, beziehungsweise das Cover nicht so viele kahle Stellen aufgewiesen hätte.
Dem Titel möchte ich nicht viel vorwegnehmen. Relativ schnell erfährt man dessen Bedeutung, die drei Zeilen bilden noch sehr lange ein kleines Geheimnis.

Zitat

"Niemand wird grausam geboren oder unfähig zu lieben. Natürlich nicht. Die Summe der Erlebnisse prägt den Charakter" 
- Position 2611

Fazit

Auch wenn das Thema „Vampire“ seine besten Zeiten schon hinter sich hat, lässt Thordis Hoyos dieses nochmal komplett neu aufleben. Wer 600 Seiten pure Spannung erleben möchte, der sollte definitiv zu diesem Buch greifen. Die Zielgruppe ist wohl eher Young Adult, aber wer über einige Teenie-Faktoren hinwegsehen kann, sollte trotzdem zugreifen.


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