Montag, 11. Juli 2016

[Rezension] Stefanie Hasse - Luca & Allegra, Liebe keinen Montague

Verlag: Carlsen Impress
Seiten: 223
Reihe: Luca & Allegra, Band 1 von 2
Kauf: Kindle 

Inhalt

Maskenbälle, unsternbedrohte Familiengeschichten und verfluchte Liebespaare kennt Allegra höchstens aus ganz alten Büchern, aber mit der Realität haben sie für sie nichts zu tun. Das ändert sich grundlegend, als sie bei einem Kurzurlaub am Gardasee erfährt, dass ihr Hotel von Nachfahren der Capulets geführt wird. Anscheinend ist ihre Fehde mit den Montagues auch nach Jahrhunderten noch intakt. Als sie aus purer Neugier die andere Seite des Sees erkundet, beginnen sich die Ereignisse unwillkürlich zu verdichten. Denn Allegra trifft auf Luca Montague und damit auf ihr magisches Schicksal…




Meine Meinung

Allgemein

Schon auf den ersten Seiten ging meine Begeisterung los. Durch einen gewohnt tollen Schreibstil lernt man erstmal die Hauptcharakterin Allegra und ihre beste Freundin Jen kennen. Beide gefallen mir sehr gut, da Allegra sehr reif wirkt und Jen weiß, wie sie auf andere wirkt, aber das nicht ausnutzt. Beziehungsweise sie trotzdem etwas ernstes sucht.
Allegra zieht es durch ein Bauchgefühl nach bella Italia zum Gardasee. Da sie mit der Gegend stark verbunden ist, gefiel mir die Bauchgefühloption besser, als das Allegra durch Zufall dort Urlaub machen würde. Ihre Mutter ist zunächst dagegen, weshalb man schon aufhorcht. Natürlich kenne auch ich die Geschichte um Romeo und Julia und so war der weitere Verlauf zunächst klar. Auch wer Alessandro in Wirklichkeit ist, wurde mir schnell bewusst.
Da heutzutage alles etwas Übernatürliches haben muss, - was das Buch auch einzigartig macht - wird schnell klar, dass die beiden Hauptfamilien Montague und Capulet alle eine besondere Fähigkeit haben. In Allegras Fall war das für mich noch vollkommen okay, (Vorsicht: Spoiler: aber noch nie konnte ich mich mit der Fähigkeit des Fliegens abfinden. Die Autorin hat hierbei die sehr schöne Lösung der Windbeherschung gefunden, aber auch das war mir zu viel.)
Einige Szenen brachten Spannung mit, einige Freude, andere Trauer. Und vor allem die Liebe kam nicht zu kurz. In dem ersten Kuss bin ich so versunken und hinweggeschmolzen.
Gegen Ende des Buches war dann das große Ziel eine Prüfung, auf die ich nicht groß eingehen möchte. Die Ideen hinter den Aufgaben haben mich gepackt und fasziniert. Da steckt ein gutes Maß an Ideenreichtum hinter. Dennoch war mir das Finale ein wenig zu rasch vorbei. Und das Ende - mit Blick auf einen zweiten Band - lässt mich zweifeln. Denn es wirkt für mich so, als würde zweiter Band eine Art Prequel, aber gleichzeitig eventuell auch ein Sequel sein. Noch reizt mich die Idee nicht ganz so, lasse mich aber gerne überraschen.

Charaktere

Allegra gefällt mir sehr gut. Sie wirkt erwachsen und hebt nicht ab, denn laut Beschreibung im Buch ist sie sehr hübsch, doch möchte sie nicht darauf reduziert werden. Sie ist sich ihrer Stärken bewusst. Allerdings geht sie mir manchmal zu bewusst durchs Leben. Hinter all ihren Entscheidungen scheint sie ohne Zweifel zu stehen. Solche Menschen soll es geben, doch finde ich, dass vor allem Themen wie die Liebe einen zum Wanken bringen können. Auch die Geschichte um ihre Mutter ging mir zu reibungslos von der Bühne. Diese Freude, ohne Bedenken.
Auch Jen fand ich sehr toll. Wie Allegra will sie nicht auf ihr äußerstes reduziert werden, doch spielt sie trotzdem mit ihren Vorzügen, dessen sie sich bestens bewusst ist. Das lässt sie dann hin und wieder doch etwas kindlicher und unerfahren wirken.
Auch die Männer in diesem Buch konnten mich um den Finger wickeln. Alessandro ist natürlich von vorn herein der total Gentlemen. Am Anfang wird er so dargestellt, als wäre er der typische Macho, doch nachher stellt sich ja heraus, warum er sich so für die beiden Freundinnen interessiert. Seine Liebesgeschichte ging mir allerdings deutlich zu schnell.
Und Luca? Luca wirkt wie ein Traumprinz. Ganz und gar nicht der böse Montague. Wie es natürlich auch im Stück so war. Der Liebenswürdige unter all den Abgehobenen. Im konnte ich eine Menge abgewinnen.
Hier wurden definitiv ein paar starke Charaktere geschafft, die ich gerne weiter begleitet hätte.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist recht simpel, aber sehr packend. An den richtigen Stellen sind die Ausschmückungen eingebaut und die Liebesgeschichte wollte ich einfach nur permanent weiterverfolgen, obwohl ich das ursprüngliche Stück ja schon kenne.
Geschrieben ist das Buch aus der Sicht von Allegra in der dritten Person. Das Prolog und Epilog aus der Sicht des Padres, der auch einen zentralen Punkt in der Geschichte hat.

Cover & Titel

Das Cover zeigt eine Szene aus dem Buch: Der Maskenball. Dies ist eine Kernszene im Buch, der ich viel abgewinnen konnte, da die Maske ja auch einiges symbolisiert. Die Maske ist zudem auch sehr schön gestaltet. Das schwarz (dunkle) sticht stark hervor unter der weisen Unschuld und gibt dem Cover etwas mystisches. Bei genauerem Hinsehen erkennt man auch einen Schleier, der allerdings nicht so meins ist.
Der Titel ist recht simpel: Die Namen der beiden Protagonisten und dann "Liebe keinen Montague", also liebe niemanden aus diesem Familienzweig. Warum wird dann im Buch deutlich, beziehungsweise durch "Romeo und Julia."

Zitat

"Zeit mit ihm zu verbringen, würde all das Leid doppelt und dreifach aufwiegen. Das Gefühl, in seiner Nähe zu sein, oder auch nur an ihn zu denken, war alles wert. Möglicherweise sogar den Schmerz der geplatzten Hoffnungen, dass sie die Liebe vielleicht gefunden und sofort wieder verloren hatte." 
- Position 1103

Fazit

Eine wirklich märchenhafte Adaption von "Romeo & Julia", die trotzdem den Stil der Autorin bewahrt und ihre eigene Geschichte daraus hervorbringt. Die Charaktere waren ausgefeilt und haben mir wirklich gut gefallen. An manchen Stellen ging es mir zu sehr ins Übernatürliche.


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