Sonntag, 13. März 2016

[Rezension] Lisa Genova - Ein guter Tag zum Leben

Verlag: Bastei Entertainment
Reihe: Einzelband
Seiten: 417
Kauf: Kindle - Taschenbuch -  Hörbuch Download 

Inhalt

Als Joe erfährt, dass er an der seltenen Krankheit Chorea-Huntington leidet, ist er 44 Jahre alt. Wenn es gut läuft, bleiben ihm noch zehn Jahre. Jahre, in denen er die Kontrolle über seinen Körper mehr und mehr verlieren wird. Wie jedes seiner vier Kinder muss auch Katie befürchten, die Krankheit ihres Vaters geerbt zu haben. Gewissheit könnte ein Gentest bringen. Doch kann sie tatsächlich mit dem Wissen leben, das der Test ans Licht bringt?





Meine Meinung

Allgemein

Der Einstieg in das Buch fiel mir nur bedingt leicht. Die Sichtweise ging von Joe aus und kam für mich rüber wie ein typischer Kerl. Er lebt für seinen Beruf und seine Familie und scheint zunächst sehr pragmatisch. Doch schnell lebte ich mich in seiner Welt ein. Er lebt mit seiner Familie in Boston und führt - durch seine Frau - ein relativ strenges katholisches Leben. Der Glaube kommt häufig im Buch vor, doch nicht übermäßig störend.
Doch kaum hat man sich in Joes Welt eingelebt kommt die Diagnose: Huntington. Schon ziemlich nah am Anfang beginnen Joes Symptome und man fiebert der Diagnose entgegen. Positiv, wie auch negativ. Endlich kann Joe benennen, was mit ihm los ist, doch das schmälert die Tatsachen nicht. Mir schlug das Herz höher, als die Diagnose ausgesprochen wurde und die Welt seiner Frau in sich zusammenfällt. Den Joe will es zunächst nicht wahrhaben und so geschieht es, dass man in dem Buch den Prozess verfolgen kann, wie Joe körperlich und seelisch abbaut und langsam die Huntington nicht mehr ignorieren kann.
Sehr gut gefallen hat mir, wie gut recherchiert das Buch ist. Joe - und so auch man selbst - wird von seinem Arzt über die Krankheit aufgeklärt. Doch zwischendurch gibt es auch mal ein oder zwei Seiten, die nur Infos über den Verlauf, die Vererbung und die Heilung preisgeben. So kann man sich bewusst auch selber mit der Krankheit befassen.
Das Buch ist in drei Teile unterteilt und im zweiten ging es mit einer Tochter Joes weiter. Huntington ist zu 50% vererbbar und somit muss jedes seiner Kinder nun mit der Gewissheit leben, es kriegen zu können. Die Möglichkeit besteht, sich testen zu lassen. Aber möchten die Kinder das, oder doch lieber auf gut Glück ihr Leben leben? Kathy ist sich dabei total unsicher. Zig Sachen in ihrem Leben machen sie schlaflos. Sie will über nichts nachdenken, keine Entscheidungen treffen, da alles droht sie zu überfordern. Mir gefiel es aus der Sicht eines "Ahnungslosen" lesen zu dürfen. Wie geht man mit dem Wissen um, dass man mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit eine unheilbare Krankheit hat? Und wie lässt es sich damit leben, den eigenen Vater beim körperlichen und geistigen Verfall zuzusehen?
Im letzten Teil kann man dann aus beiden Sichten lesen und so langsam haben alle ihren Weg gefunden, mit dieser Krankheit umzugehen. Es gab nur zwei Faktoren, die mich am Ende noch störten: Zum einen wollte der Vater an einer Forschung teilnehmen, von der man nur ein weiteres Mal sehr kurz gelesen hat, zum anderen wollte die Tochter sich testen lassen und ist sich bis zum Ende des Buches unschlüssig, ob sie das Ergebnis wirklich wissen möchte. (Spoiler!) In dem Buch ging es ja mehr darum, wie die Personen mit dem Wissen leben. Trotzdem endet das Buch ohne nun zu wissen, ob Kathy sich umsonst Sorgen gemacht hat. Irgendwie hat mir das noch gefehlt. (Spoiler Ende!)
Insgesamt muss ich sagen, dass ich das Buch großteils wirklich sehr bedrückend fand und es zum Nachdenken definitiv anregen konnte. Ich fand es zum Beispiel sehr erschreckend, wie wenig Hilfe Menschen mit unheilbaren Krankheiten doch bekommen. Wie drastisch zum Beispiel die Rente runtergeht, obwohl man treu viele Jahrzehnte gearbeitet hat und wie wenig die Familie nach dem Ende an Hilfe bekommt. Die Konsequenzen werden sehr direkt aufgelistet.
Die Autorin schreibt oftmals spannende Kapitelanfänge, sodass man nur denken kann, dass erneut etwas schreckliches passiert. Das Gute daran war, dass man nicht wusste, wann wirklich was schlimmes geschieht und wann nicht. So bleibt die Spannung konstant bestehen.

Charaktere

Im großen und ganzen liest man nur von der Familie O'Brien. Dazu gehören die Eltern Joe und Rosie und die Geschwister Katie, JJ, Patrick und Meghan. Ebenfalls JJs Frau Colleen und Kathys Freund Felix.
Sie alle haben einen eigenen Charakter und ich konnte zu jedem eine Beziehung aufbauen. Ob nun positiv oder negativ. Jeder hatte seine Macken und sein eigenes Leben und trotzdem war der Familienzusammenhalt sehr wichtig. Das alles kam sehr gut zum Vorschein.
In erster Linie hat man natürlich von Joe und Kathy mitbekommen.
Joe wächst einem ans Herz. Als Mann redet er nicht viel und durch seine Krankheit noch weniger. Doch seine Gedanken sind für den Leser real. Sie wirken echt. Und sie verändern sich. Selbst der stärkste Mann hat sein Päckchen zu tragen und leidet darunter, doch immer wieder hat es mich erfreut, wie stark die Liebe zu seiner Familie ihn immer wieder machen konnte.
Kathy ist noch jung und oftmals dachte ich mir, dass sie einfach Angst vor ihrer Zukunft hat. Angst die falschen Entscheidungen zu treffen. Es gibt so viele große Themen in ihrem Leben und doch weiß sie nicht, was sie tun soll. Doch ich hatte das Gefühl, dass sie schon wusste, was ihr Herz wollte, doch in einem moralischen Konflikt stand. Wie sich das alles im Nachhinein löste, war sehr schön zu lesen.
Außerdem wurde jeder in der Familie irgendwie mit eingebunden. Der Einzige der etwas unterging war Patrick, doch gegen Ende lichtet sich auch das.

Schreibstil & Sichtweise

Durch den Schreibstil gewann das Buch an Authentizität. Ich konnte mit den Charakteren mitfühlen und oftmals wurde mein Herz ganz schwer, wenn über die Folgen der Krankheit gesprochen wurde.
Geschrieben wurde das Buch aus den Sichten von Joe (dem Vater) und Kathy (seiner Tochter) in der dritten Person.

Cover & Titel

Das Cover finde ich ganz okay. Keines, was mich sofort magisch anziehen würde. Das Pärchen auf dem Cover ordne ich eher Kathy und Felix zu. Die Beziehung zwischen den beiden fand ich jedoch nicht so ausschlaggebend, als das es auf das Cover müsste. Auch die Katze dort verwirrt mich etwas, da die Familie einen Hund besitzt. Das fröhliche helle blau gefällt mir allerdings sehr gut. Ebenfalls, dass die Personen in weiß gemalt wurden (Verkörperung von Allem.)
Auch der Titel ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, da sich das Buch in erster Linie darum dreht, wie man mit dieser Krankheit bzw dem Wissen, dass man sie hat/haben könnte lebt. Erst gegen Ende finden die Protagonisten ihren Weg damit zu leben und gewinnen wieder etwas an Fröhlichkeit. Deshalb sehe ich den Titel eher als Aufforderung auf.

Besonderheit

Am Ende ruft die Autorin den Leser dazu auf, für die Huntington Medizinforschung zu spenden. Dafür hat sich einen kleinen Infopost eingerichtet, den ihr hier finden könnt:

Zitat

"Und so sind sie nun hier, in der Praxis irgendeines schicken Bewegungsspezialisten. Das erscheint Joe absolut übertrieben für einen erschöpften Mann mit einem schlimmen Knie."
- Position  1236

Fazit

Dieses Buch regt definitiv zum Nachdenken an. Ein kleiner Einblick in die Gefühlswelt eines unheilbar Kranken und die Angst vorm krank sein. Eine Menge an Authentizität zieht einen förmlich durch das Buch und man möchte wissen, wie es weitergeht.
Ein offenes Buch, was nicht zu verstecken droht, sondern versucht aufzuklären. Definitiv ein 
Must-Read! 






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