Montag, 14. September 2015

[Rezension] Hannah Siebern - Zirkusmagie

Verlag: Impress (Carlsen)
Seiten: 445 Seiten - eBook
Reihe: Einzelband
Kauf: Kindle

Inhalt 

Die siebzehnjährige Jekaterina führt ein Doppelleben. Während sie im Winter als ganz normale Schülerin bei ihrer Großmutter lebt, reist sie im Sommer mit ihren Eltern quer durch Europa, versorgt exotische Tiere und lässt sich mit Messern bewerfen. Denn Jekaterina ist ein Zirkuskind. Für sie ist das Ungewöhnliche völlig normal. Doch als sie in Dublin dem gutaussehenden, aber auffällig altmodischen Ewan begegnet, scheint ihre Welt plötzlich Kopf zu stehen. Irgendetwas stimmt mit diesem Jungen nicht und irgendwie scheint seine Lebensgeschichte mit der ihren eng verbunden zu sein…


Meine Meinung

Allgemein 

Zuallererst war ich ein wenig missmutig gestimmt, da ich dachte, dass das Buch um ein dreizehnjähriges Mädchen handeln wird. Da eine Liebesgeschichte sehr schnell zu erahnen war, war mir der Hauptcharakter doch ein wenig zu jung dafür. Das sollte sich jedoch schnell ändern. 
Doch zunächst einmal erfüllt Jekaterina - die Protagonistin - ein typisches Geisterklischee, bei dem ich die Augen verdrehen musste. Mit ihren Freunden zusammen spielt sie Gläserrücken und zufällig treten sie in Kontakt mit einem Geist. 
Nach einiger Zeit passiert ein schrecklicher Vorfall, nachdem Jekaterina sich nicht mehr traut, vor Publikum Seiltanzen auszuüben. Dies war der Punkt, an dem ich schon etwas enttäuscht war. Es ging um den Zirkus und die "Zirkusmagie" und Jekaterina trat auch Jahre nach dem Vorfall nicht mehr auf. Somit hat man auch kaum etwas von dem Zirkusleben mitbekommen. Diese Tatsache hat mir das ganze Buch über sehr gefehlt. 
Nun 17 Jahre alt hilft Jekaterina nur noch im Zirkus, besucht jedoch die Zirkusschule. Dort wurde ein paar Mal brasilianisch gesprochen. Jedoch konnte ich die Sätze nicht übersetzen und wurde leider auch nicht mit dem Wink des Zaunpfahls erschlagen. 
In einer neuen Stadt angekommen lernt Jekaterina Ewan kennen. Ein komischer Kauz, der unbedingt mit ihrer Cousine anbändeln möchte. Er spricht in Rätseln, kennt viele Wörter nicht und möchte sie noch dazu nicht anfassen. Das sie an dem Punkt noch nicht merkt, wer Ewan wirklich ist, war für mich verständlich. Doch war es für mich unfassbar, wie lange Jekaterina gebraucht hat, um dem roten Faden zu einem logischen Ende zu folgen. 
(Folgeabsatz könnte Ewan's Existenz spoilern)
Auch unverständlich war für mich, dass Jekaterina Ewan ein Handy lieh und er es tatsächlich halten und bedienen konnte. Allgemein ist es bekannt, dass Geister keine feste Konsistenz haben - wie auch in diesem Buch - und deshalb keine Gegenstände halten können. Hätte die Autorin eine schlüssige Erklärung gehabt, so wäre das auch alles kein Problem. Doch ist für mich "Gegenstände anzufassen ist für mich einfacher als Tiere und Menschen" keine Erklärung. 
Trotz der Länge des Buches konnte die Autorin immer wieder Spannung erzeugen. An vielen Stellen war ich einfach neugierig, von anderen wurde ich jedoch regelrecht gefesselt und vor allem am Ende konnte ich nicht anders als mitzufiebern, das alles gut wird. Hannah Siebern schafft eine Situation in der Mann aufatmen konnte, nur um im nächsten Moment von einer neuen Überraschung konfrontiert zu werden. 

Charakter 

Jekaterina konnte mit einem eigenen Charakter extrem herausstechen. Sie kam ein wenig naiv rüber und hat sich auf vieles eingelassen, bei dem sie vermutlich nie über eine Konsequenz nachgedacht hat. Eine persönliche Masche von mir ist wohl, dass Charaktere auch große Negativpunkte bei mir sammeln, wenn diese in jungem Alter rauchen. Alles in allem konnte ich mich aber sehr an ihrer Anteilnahme an ihren Mitmenschen erfreuen. Vor allem in Verbindung mit ihrem Cousin Dimitri ist sie mir ans Herz gewachsen.
Dimitri hat Jekaterina bei jeder nur erdenklichen Situation versucht zu helfen. Sein unerschütterliche Glaube an Jekaterina ist mir positiv ins Auge gestochen. Trotzdem glaubt er nicht alles, was er nicht bewiesen bekommt. 
Auch Ewan konnte mich überzeugen. Da man wenig von ihm und seinem Leben mitbekommt, ist er zum Leser am Anfang noch sehr distanziert. Erst am Ende nimmt dies ab. Bis dahin bilden sich um ihn viele Rätsel. 
Allgemein konnten mich sowohl die Guten, als auch die Bösen Charaktere überzeugen. Von zickig, zu hinterhältig, über gutgläubig und unerschütterlich war alles dabei. 

Schreibstil & Sichtweise

Das Buch wurde sehr ausführlich geschrieben. Man konnte sich gut in die Charaktere hineinversetzen und fühlte sich durch die Beschreibungen wie im Geschehen. Zudem noch flüssig und leicht zu lesen!
Geschrieben wurde das Buch aus der Sicht von Jekaterina aus der Ich-Perspektive und Stellenweise von Ewan in der dritten Person. 

Cover & Titel

Das Cover gefiel mir wirklich sehr schön. Definitiv ein Eye-Catcher. Die Person im Hintergrund sieht durch den Kopfschmuck aus wie jemand aus dem Zirkus und könnte daher die Protagonistin darstellen. 
Den Titel finde ich nun aber doch etwas fragwürdig. Laut Autorin ist es normal, dass viele in einer Familie hellsichtige Fähigkeiten haben. Somit kann dies aber auch jeder anderen Familie passieren und nicht nur Zirkusleuten. Da man auch keine Vorstellungen verfolgen konnte, kam für mich auch die Magie, die sich aufs Publikum auswirkt, nicht in Frage. Genauso war am Zirkus nichts besonderes. Dort war die Verbindung nicht etwa stärker oder sonst etwas.  

Zitat 

" Wenn du in einer Welt voller Blinder die Einzige wärst, die mit der Gabe des Sehens gesegnet wäre, würden die Menschen dir dann nicht auch vorwerfen, dass du dir Dinge einbildest, die angeblich nicht da sein können? Nur weil sie selbst nicht dazu imstande sind, sie wahrzunehmen?" 
- Position 1544

Fazit

An einigen Stellen wies das Buch ein paar Unstimmigkeiten auf. Zudem war mir der Zirkus zu wenig im Spiel. Trotz diesen Kritikpunkten konnte die Autorin das gesamte Buch über Spannung erzeugen. Ein Buch zum gemütlichen schmökern auf der Couch. 


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