Mittwoch, 26. August 2015

[Zitate] Dieter Zimmer - Wie im richtigen Leben



  • "Aber bis ein Mann eine neue Batterie in eine Uhr tat, hatte eine Frau zwei Kinder geboren und aufgezogen." - Seite 11
  • "Soll ich dir sagen, was passieren wird? Nichts. Überhaupt nichts. Bei fast allen Menschen passiert das ganze Leben lang exakt das Gleiche: nichts. Und dann wundern sie sich, wenn sie gestorben sind und das die einzige Sensation in ihrem Leben war." - Seite 35
  • "[...] es ist völlig egal: Mann ist Pascha! Als ich jung und naiv war, habe och noch versucht gegen dieses Image anzukämpfen. Ich habe Säuglinge gewickelt und Wäsche gebügelt - aber ich war ein Pascha! Ich habe Schulaufgaben kontrolliert und Geschirr gespüllt - aber ich war ein Pascha! Ich habe Rasen gemäht und Türen gestrichen - aber ich war ein Pascha! Das ist der Fluch unseres Geschlechts. Heute weiß ich: Der Pascha klebt uns auf der Backe wie mit Sekundenkleber. Und deswegen sollten wir unser Image nicht nur akzeptieren, sonder rechtfertigen, indem wir keine Hand rühren. Seitdem ich das weiß, lebe ich in Frieden."
    - Seite 46
  • " 'Ich hatte heute in der Kanzlei 'ne Menge Ärger. Die Kollegen können nicht damit umgehen, daß ich jetzt alle zwei Wochen in dieser Fernsehsendung meiner Freundin Laura auftrete. Sie zerreißen sich die Mäuler. Und zwar immer hinter meinem Rücken, aber natürlich so, daß es mit Sicherheit bei mir ankommt. Ich habe denen doch, verflicht nochmal, nichts weggenommen!'
    'Nein, hast du nicht', sagte Clemens. 'Aber du tust etwas viel Schlimmeres. Du tanzt nicht nur aus der Reihe, das wäre ja noch zu tolerieren, sondern du tust etwas, wozu sie selbst nicht in der Lage sind. Du führst ihnen etwas vor Augen, was sie eigentlich auch können, wenn sie könnten, aber sie können ja nicht. Und das können sie auf den Tod nicht ausstehen.' "
    - Seite 135
  • " 'Mir fällt da eine Geschichte ein', sagte Clarissa. 'Das Häschen ist in eine Grube gefallen und ruft kläglich. Der Fuchs hört es und kommt zu Hilfe. Er läßt seinen Schwant in die Grube hängen, das Häschen ergreift ihn und klettert ins Freie. Es bedankt sich. Der Fuchs - sehen Sie, Sie haben gedacht, er frißt es jetzt auf - der uchs sagt: Keine Ursache, vielleicht kannst du mir ja auch mal helfen.' [...] Clarissa fuhr mit ihrer Geschichte fort: ' Ein paar Tage später ist der Fuchs in eine tiefe Grube gefallen und ruft seinerseits um Hilfe. Das Häschen kommt vorbei. Es setzt sich sofort hilfsbereit an den Ran, aber die Grube ist zu tief, der Fuchs springt und springt, kommt aber einfach nicht ra. Kein Problem, sagt das Häschen und holt sein Handy hervor. Es telefoniert vier-, fünfmal, im Nu sind genug Häschen mit Handy zur Stelle, bilden eine Kette und holen den Fuchs aus der Grube.' [...] Clarissa erzählte ihre mehrfach unterbrochene Geschichte zu Ende. 'Was also lehrt uns die Geschichte vom Fuchs und dem Häschen? Wenn das Schwänzchen zu klein ist, braucht man ein Handy.' "- Seite 152/153
  • "Ungefähr fünfunddreißig Jahre mußte Frau Kesting mit ihrem Mann verheiratet gewesen sein, weit mehr als doppelt so lange wie sie selbst mit Clemens. War man nach dieser Strecke noch ein eigenständiges Wesen oder nur mehr als eine Hälfte, die verkümmerte ohne die andere?"
     - Seite 200

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