Mittwoch, 26. August 2015

[Rezension] Dieter Zimmer - Wie im richtigen Leben

Verlag: Ursprünglich -Bastei Lübbe, Exemplar - Editionnova
Seiten: 351 Seiten - Taschenbuch
Reihe: Einzelband
Kauf: Nicht neu erwerbbar

Inhalt

ER Hausmann - SIE Karrierefrau? Schon lange ist Clarissa genervt: Warum muss sie für die ganze Familie kochen und sich anschließend auch noch um den Abwasch kümmern, während Clemens gemütlich einen Grappa trinkt? "Den bisschen Kram erledige ich auch noch mit", behauptet der Macho dann auch noch frech.
Als Clemens lang erwartete Beförderung als Ressortleiter ausbleibt und Clarissas Ex-Chef sie bittet wieder als Anwältin zu arbeiten, wird es Zeit für die Probe aufs Exempel. Der Rollentausch bringt einiges durcheinander, vor allem Klischees und Vorurteile ...

Meine Meinung

Allgemein

Was, wenn man plötzlich seinen alten Job angeboten bekommt, weil man als gut befunden wurde?Was, wenn man eine Beförderung nicht bekommt, welche einem eigentlich zusteht, und rebellische Züge annimmt? Was, wenn in einem kleinen trotzigen Streit beschlossen wird, dass der Geldeintreiber zur Hausfrau und die Hausfrau zum Geldeintreiber wird?
Bei Clarissa und Clemens geht alles drunter und drüber. Nach vielen Jahren Ehe entsteht das altbekannte Thema: Frauen sind zum putzen da, Männer zum arbeiten. Basta. Anders kann es ja nicht sein, oder ? Nach einem erneuten Streit beschließt Clarissa: Sie nimmt ihren alten Job wieder an. Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Soll ihr Mann doch "das bisschen Kram" erledigen. Und Clemens? Ja, der tut das auch noch wirklich! Ein Experiment soll es werden. Das Ehepaar im Rollentausch.
Trotz der Klischeesituation ist es spannend die beiden auf ihrem Weg zu beobachten. Am Anfang dachte ich noch: 'Das kann ja gar nichts werden. Der Mann wird überfordert sein und die Frau ganz normal arbeiten.' Doch das Clarissa die Karriereleiter Stufe für Stufe erklimmt und Clemens in seinem neuem Job förmlich aufblüht, damit hatte ich nicht gerechnet. Da man mit dem Thema schon oft konfrontiert wurde, hatte ich schon eine Vorabmeinung und dachte, dass beide klar kommen, aber zum Schluss merken, dass es doch gut ist, wie es damals war. Dieter Zimmer konnte mich jedoch positiv überraschen und gerne habe ich den Werdegang beider verfolgt.

Charaktere

Zum Einen wären da Clarissa und Clemens. Trotz vieler Ehestreitereien kam ihre Liebe zueinander deutlich herüber. Mir gefiel, wie Dieter Zimmer verdeutlicht, dass nicht immer alles in Butter ist, aber man trotzdem nie an dem anderen Zweifeln sollte. Obwohl Clemens nicht dafür war, dass Clarissa in ihren alten Beruf zurückkehrt, hat er sie unterstützt. Er hatte ihre Shows angeschaut und mit voller Inbrunst sein Experiment durchgeführt.
Auch Clarissa kam für mich sehr human rüber. Sie steigt eine Stufe nach der anderen in ihrer Karriere hoch und bleibt trotzdem auf dem Boden. Sie ist geplagt von Zweifeln und Ängsten, geht aber mit dem Kopf durch die Wand. Sie macht sich viele Gedanken und ist eine Art Weltverbesserer, was jedoch nicht überall gut ankommt. Mir jedoch gefiel, dass sie sich nicht einfach hat unterbuttern lassen.
Timo und Nadja sind die Kinder von Clemens und Clarissa und ganz schön auf Zack. Der Gymnasiast Timo weiß viel und ihm entgeht nichts. Die beiden sind immer für einen Spaß zu haben und lassen auch mal ihre Meinung an den Erwachsenen aus ... jedoch ohne gehört zu werden. Kinder eben. Auch hier gefiel mir der Alltag und die Kinder haben Schwung in Clemens Haushalt gebracht.
Zuletzt möchte ich noch Gudrun erwähnen. Eigentlich eine Freundin von Clarissa, aber nachdem Clemens den Haushalt übernommen hatte, verbringt sie viel Zeit bei ihm und stößt bei Clemens oft auf eine wahre und ehrliche Meinung... Nicht immer im positiven Sinn. Sie kam mir mit ihrem Leben sehr unzufrieden rüber, warum sie öfter unüberlegt redet oder handelt.
Alles in allem empfand ich die Charaktere alle sehr herzlich. Sie konnten mich mitten in die Geschichte hineinversetzen und konnten mich auch oft zum lachen bringen.

Schreibstil & Sichtweise

Geschrieben ist das Buch noch in der alten Rechtschreibung ohne dem scharfen s. Jedoch für das Erscheinungsjahr (1998) sehr modern. Oft konnte ich mich mit meiner Jugend identifizieren, wenn die Kinder mal wieder neue Sprüche heraus ließen, obwohl meine Jugend ein paar Jahre später erst begann. Mir hat es gefallen zu sehen, was damals so In war in der Sprache und was heute.
Das Buch war flüssig geschrieben und an vielen Stellen auch lustig. Die Situationen kamen echt rüber, so dass man sie sich sehr gut vorstellen konnte.
Geschrieben wurde das Buch aus den Sichten von Clemens und Clarissa in der dritten Person.

Cover & Titel

Das Cover sprang mir sofort ins Auge und ließ mich beim Kauf zugreifen. Man sieht zwei sich liebende Vögel in einer Winterlandschaft. Für mich heißt es, dass die Vögel sich lieben, trotz der Kälte und dem Frost, welche sie momentan einhüllen. Auch können die Vögel für die Freiheit stehen, zu tun, was man gerne möchte. Auf den ersten Blick ist das Cover nicht stimmig mit dem Inhalt des Buches, aber mit einer Interpretation ist es stimmiger, als man zuerst denkt.
Der Titel spricht für sich: Das Buch soll wirken, wie eben im richtigen Leben und das hat es auch geschafft!

Zitat

"Du tanzt nicht nur aus der Reihe, das wäre ja noch zu tolerieren, sondern du tust etwas, wozu sie selbst nicht in der Lage sind. Du führst ihnen vor Augen, was sie eigentlich auch können, wenn sie könnten, aber sie können ja nicht. Und das können sie auf den Tod nicht ausstehen." - Seite 135

Fazit

Ein Buch, welches mit Humor und Ernst die Lage des Lebens wiederspiegelt und zum Nachdenken anregt, vielleicht auch etwas zu ändern. Es hinterfragt die typische Rollenverteilung von Mann und Frau und warum die Geschlechter genau diese Rollen einnehmen. Zudem nimmt es einen anderen Verlauf an, als man erwartet.





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